Exkursion ZKM Karlsruhe
Wie stark sich das Verständnis vom feststehenden Kunstobjekt hin zur freien Skulptur gewandelt hat und wie sich kulturelle, gesellschaftliche und ökologische Ereignisse wechselseitig bedingen, zeigt sehr anschaulich ein kurzer historischer Abriss der Skulpturen.
Von der Antike bis vor dem 20. Jahrhundert waren klassische Skulpturen noch stark an den Körper gebunden, schwere, voluminöse Einzelobjekte die der Schwerkraft ausgeliefert sind. Die Skulpturen standen zwar im Raum, aber erst mit der Moderne und unter dem Druck der industriellen Revolution mit Dampfschiff, Eisenbahn, Auto und Flugzeug – geprägt von Geschwindigkeit, Körperlosigkeit, Schwerelosigkeit löste sich die Körper- und Raumabhängigkeit auf. Zudem waren Fortschritte in der Naturwissenschaft und der Architektur, das Aufkommen neuer Werkstoffe, Konstruktionstechniken und der Orientierung von der zweidimensionalen Fläche der nicht-gegenständlichen Malerei in den dreidimensionalen Raum maßgeblich an einem Entwicklungssprung von der „Körperplastik“ hin zur „Raumplastik“ beteiligt.
Präsentation (Ausschnitt) im Rahmen einer Studienexkursion zum Thema Medienkunst
Ein besonders schönes Beispiel für eine frei schwebende und frei hängende Arbeit, zeigt die Künstlerin Pae White mit ihrer 2017 entstandene Netzskulptur An Allegory of Air: Too Full to say too, die wie eine frei schwebende Kugel von der Decke herabhängt. Der Blick nach oben zur Decke offenbart sich für mich wie durch ein Kaleidoskop. Durch einen Spiegel an der Decke befestigt werden die unterschiedlichen Muster und Materialien deutlich erkennbar. Zwischenräume entstehen und geben eine ganz eigene Raumillusion. Das Wechselspiel aus Position, Entfernung und Licht verändert die Wahrnehmung und zeigt eine flexible Skulpur im Raum.
Die Wahrnehmung und Bedeutung des Objekts bedingt sich durch den entstandenen „Negativen Raum“.
